Mit Kind und Kegel, mit Mann und Maus.
Im Rahmen eines Aufrufs von VVS und Stuttgarter Nachrichten sind die Fischers aus Zuffenhausen, Papa Jürgen, Mama Elke und die drei Söhnen Lucas, Marvin und Nick, für einen besonderen Test ausgewählt worden: Wie ist es, wenn man im Alltag als fünfköpfige Familienbande ausschließlich auf Bus und Bahn setzt?
Wie die Mitglieder der Umsteigerfamilie ihren gewohnten Aktivitäten nachgingen und was sonst passierte, während das Auto einen ganzen Monat lang in der Garage stand: Hier können Sie alles aus erster Hand nachlesen.
Der Countdown läuft
Die Vorbereitungen für den Umstieg sind in vollem Gange. Erster Gedanke als Mutter einer fünfköpfigen Familie: Wie läuft das jetzt mit den Einkäufen, Getränken, Essen usw.? Das Auto soll ja wirklich einen kompletten Monat stehen bleiben.
Irgendeine Hilfe fürs Einkaufen muss also her, um die Einkäufe nicht alle schleppen zu müssen. Zum Glück gibt’s das Internet, in dem man recherchieren kann. Mama Fischer wurden auch fündig und hat sich einen Weidentrolly ausgesucht, auch „Hackenporsche“ genannt. Geliefert wurde er auch schon. Mal sehen, wie ab nächster Woche der Einkauf mit diesem Gefährt klappt.

Die drei Jungs, Lucas, Marvin und Nick freuen sich schon auf die Zeit mit der eigenen Fahrkarte. Und Pläne geschmiedet haben sie auch schon.
Für Papa Jürgen wird die Sache wohl etwas schwieriger, da er sich erst daran gewöhnen muss, ohne Auto zur Arbeit zu kommen. Er muss sich Fahrpläne ausdrucken und seine Arbeit in verschiedenen Gebieten rund um Zuffenhausen genau einteilen. Mama Elkes Route dagegen steht schon lange: morgens um 5.30 Uhr das Haus verlassen, zum Kelterplatz gehen, um dort die U15 bis Pragsattel und dann die U6 bis Möhringen zu erwischen. Pünktlich um 6.30 Uhr ist sie dann am Arbeitsplatz.
Und die Jungs? Lucas fährt mit dem Bus in die Schule zur Schlotwiese in Zuffenhausen. Marvin freut sich auch mal mit der U5 zusammen mit ein paar Freunden fahren zu können.
Für die kommenden vier Wochen hat sich die Familie auch schon auf den Orangen Seiten des VVS Freizeittipps und Ausflüge für die Region ausgesucht. Aber auch Stuttgart wollen sie besser kennenlernen.
Die Fischers hängen sich mächtig rein


Am Sonntag wurde schon mal der Ernstfall geprobt. Alle fünf waren beim Kinder- und Jugendfestival "Fit&Fun" auf dem Schlossplatz mit dabei. Angereist sind sie selbstverständlich schon mit den Öffentlichen. Auf der Showbühne der Nahverkehrsgesellschaft (NVBW) hatten sie ihren ersten großen Auftritt, zusammen mit VVS-Chef Dr. Witgar Weber (li.) und NVBW-Geschäftsführer Dr. Walter Gerstner (re.). Nach dem "offiziellen Teil" hängte sich die Familie mächtig rein und zog beim SSB-/VVS-Wettziehen den 12 Tonnen schweren SSB-Bus 12 Meter weit: Man scheint für den Umstieg also fit zu sein ...
Der Tag ist gekommen

Gestern hieß es Abschied nehmen. Der „Berlie“, wie Familie Fischer ihren Berlingo liebevoll nett, steht ab jetzt vier Wochen auf dem Abstellgleis. Die fünf schieben ihr Auto in die Garage und sagen: „Tschüß Berlie!“
Der 1. „richtige“ Tag
Aller Anfang muss nicht immer schwer sein. Der erste autofreie Tag hat es bewiesen: Für Mama Elke und den 13jährigen Lucas war der Montag wenig aufregend. Wie immer sind die beiden mit Bus und Bahn ihre tägliche Strecke gefahren. Die Mama mit der Stadtbahn zu ihrer Arbeit nach Möhringen und Lucas zur Parkrealschule. Marvin ist wie jeden Morgen zur Schule gelaufen. Für den Rückweg hat er aber zusammen mit seinen Freunden die U5 genommen. Gut gelaunt kam er nach Hause und verkündete: „Das war voll cool!“.
Anders war es für den Rest der Familie. Der Kleinste der fünf Fischers, Nick, wird normalerweise vom Papa in die Schule gebracht. Da der nun aber vier Wochen lang mit dem Bus fährt, muss Nick entweder laufen oder auch den Bus nehmen. Für ihn keine Frage: „Busfahren ist ganz toll, das mach ich jetzt öfter“, sagt der 8jährige.
Für Papa Jürgen ist es wohl die größte Umstellung. Statt mit seinem eigenen Auto war er den ganzen Tag geschäftlich mit der U5 im Gebiet Mönchfeld-Zuffenhausen unterwegs und hat gleich die Vorteile erkannt: Die Fahrt am Morgen hat er genutzt, um Notizen für seine Arbeitsberichte zu machen.
Nach Feierabend ging es dann noch mit dem 401er und der U5 zum Einkaufen nach Feuerbach: „Ganz ohne Stau“, freut sich Papa Jürgen.
„Obwohl alles wie am Schnürchen geklappt hat, ist es schon aufregend“, sagt Mama Elke nach dem ersten autofreien Tag. Zur Kontrolle haben die Fischers übrigens den Tachostand ihres Autos fotografiert. Und eine Nachbarin hat auch schon angekündigt, ihn zu kontrollieren …

Alles läuft glatt - Zeit für neue Ideen.
Keine besonderen Vorkommnisse bei den Fischers. Mama und Papa sind pünktlich bei der Arbeit und die Jungs rechtzeitig in der Schule.
Papa Jürgen hat diese Woche Mama Elkes altes Fahrrad auf Vordermann gebracht. Da jetzt alle fünf Fischers mit Rädern ausgestattet sind, ist auch der Weg zum wöchentlichen Schwimmbadbesuch geregelt.
Bei schönem Wetter wird geradelt! Auch schön – ohne Auto tun sich ganz neue Perspektiven auf. Und Papa Jürgen überlegt sogar die Fahrten mit Bus und Bahn für kürzere Strecken mit dem Rad zu kombinieren: die alte Satteltaschen wurden jedenfalls schon mal zum kleinen Hausmeister-Werkzeugkoffer umfunktioniert.
Das erste autofreie Wochenende
Die Fischers haben eifrig in den Orangen Seiten des VVS gestöbert. Mehr als 1.000 Freizeittipps gibt es dort zur Auswahl. Allesamt mit An- und Abfahrt per Bus und Bahn, mit Bildern, Wanderkarten und und und. Der Blaustrümpfler-Weg ab Stuttgart-Heslach sollte es an diesem Wochenende sein. Mit der U5 ging es von Zuffenhausen zum Charlottenplatz, dann mit der U14 bis zum Marienplatz.
Mit Sack und Pack über die Willy-Reichert Staffel bis zur Karlshöhe. Nach dem Aufstieg ein Kurzbesuch auf dem Spielplatz, der die Jungs bei Laune hält, denn es stand schon der nächste schweißtreibende Aufstieg an: die Hasenbergsteige. „Der Ausblick entschädigt!“, darüber sind sich Mama Elke und Papa Jürgen einig. Lucas, Marvin und Nick nahmen es sportlich. Der Weg an den Gärten entlang war dann „eher langweilig“, sagten die Drei. Die anschließende Fahrt mit der Seilbahn zum Waldfriedhof rettete aber die gute Stimmung.
Vorbei am Dornhaldenfriedhof, hinein in den Wald bis Degerloch. An einer kleinen Aussichtsplattform machen die Fischers Rast.
Weil sich am Himmel schwarze Wolken zusammen brauen, wird der weitere Plan kurzfristig geändert: Statt mit der Zacke ins Tal zu fahren, macht sich die Familie wetterbedingt auf den Heimweg: U5 ab Weinsteige Richtung Zuffenhausen. Trockenen Fußes kommen die Fischers zu Hause an und freuen sich über den Vorteil mit der Stadtbahn unterwegs gewesen zu sein: Nach dem spontanen Entschluss, Heim zu fahren, hätten man normalerweise irgendwo das Auto einsammeln müssen. Aber das steht ja bekanntlich seit einer Woche in der Garage.
Nachbarschaftshilfe rückt Erdbeerpflücken ins Visier
Das Wochenende war anstrengend und die Fischers am Montag erst mal müde. Außer den Routinefahrten mit Bus oder Bahn zur Schule und zur Arbeit gab es somit keine besonderen Aktivitäten zu vermelden (sieht man mal von der großen Wäsche ab, die Mama Fischer am Montag noch vom wochenendlichen Ausflug zu bewältigen hatte).

Am Dienstag war Schwimmen für die Familie angesagt. Und weil es vor einer Woche so gut mit dem Fahrrad geklappt hat, schwangen sich die Fischers wieder auf die Drahtesel.
Zuvor gab es aber noch ein schönes Beispiel von Nachbarschaftshilfe: Eine Nachbarin, die sich mit dem Auto gerade auf den Weg zum Erdbeerpfücken machte, bot an, Erdbeeren mitzubringen. Eine wirklich nette Geste - und so hatten die Fischers nach dem Schwimmbadbesuch einen leckeren Nachtisch. Und weil die Kinder Lucas, Marvin und Nick dabei auf den Geschmack gekommen sind und ebenfalls Erdbeeren pflücken wollen, steht das Programm für`s nächste Wochenende fest: Mit dem Fahrrad und stabilen Körben auf dem Gepäckträger zum Erdbeerfeld.
Feste feiern mit besten Verbindungen zu den Verwandten
Am Samstag war ein Fahrrad-Ausflug zum Max-Eyth-See angesagt, zum großen SWR-Seefest. Dort wurde die Frischwasserleitung für den See eingeweiht, der in den Sommermonaten regelmäßig „kippt“. Die Fischers haben die A-Capella-Band "John Beton & the five Holeblocks" und Kabarettist Christoph Sonntag live gesehen und viel gelacht. Tolle Sache!
Wieder zuhause wurde am Samstagabend der Computer angeworfen und der persönliche Fahrplan für den Verwandtenbesuch in Holzgerlingen am Sonntag ausgedruckt. Am frühen Nachmittag ging es dann los – leider bei strömenden Regen: Um 13.45 Uhr galt es in Zuffenhausen am Bahnhof zu sein, da der Fotograf der Stuttgarter Nachrichten wartete, die das Umsteige-Experiment ebenfalls begleiten.
Nachdem die Fotos geknipst waren, ging es mit der S5 bis zur Schwabstraße und von da aus weiter mit der S1 bis Böblingen. In Böblingen war es beim Umsteigen auf die Schönbuchbahn zeitlich zwar etwas eng, aber die Fahrt – teilweise durch den Wald – gefiel derart gut, dass die Fischers gleich bis Dettenhausen Endstation gefahren sind.
Und weil es so schön war 5 Minuten später wieder zurück nach Holzgerlingen. Der Regen war vorbei und bei Mama Fischers Schwester gab es Kaffee und leckeren Erdbeerkuchen. Gut geplant war auch die Rückfahrt: Abfahrt um 17.15 Uhr mit der Schönbuchbahn, dann in die S1 und in Stuttgart mit der S5 bis Zuffenhausen Bahnhof. Nach kurzer Wartezeit ging es schließlich mit dem Bus der Linie 401 praktisch direkt vor die Hautür. Ein trotz Regen schöner Tag: gerne wieder.

Zu Besuch bei Omi in der Stadt
Ist nicht viel passiert diese Woche: oder es kommt der Familie zumindest so vor. Das Übliche eben, nur mit Bus & Bahn – und das klappt ja soweit ganz gut.
Deswegen wurde heute kurzerhand die Omi von Mama Fischer in Stuttgart Mitte besucht. Sie ist stolze 95 Jahre alt und damit sagenhafte 84 Jahre jünger als Urenkel Marvin, der mit von der Partie war. Am Hauptbahnhof gab es zwar die eine oder andere komische Gestalt, die man so in Zuffenhausen nicht kennt, aber egal: Das ist in der großen Stadt wohl so. Omi hat sich jedenfalls sehr gefreut und ihren Besuch bereits auf dem Balkon erwartet.

Stadt, Land, Fluss mit Bahn und Rad
Ganz sportlich ging es am Wochenende zu. Aus dem Buch „Radeln und Wandern mit dem VVS“ wurde der Glems-Mühlen-Weg von Leonberg nach Bietigheim-Bissingen als Wochenendprogramm ausgesucht: 41 Kilometer mit dem Rad.
Und so lief das Ganze ab: Start 10.27 Uhr am Bahnhof in Zuffenhausen mit der S6 bis Leonberg. Von hier aus an der Glems entlang und durch den schattigen Wald auf dem Radweg, der mit einem Mühlenzeichen markiert ist. Vorbei an vielen Mühlen, die teilweise noch aktiv sind. In Ditzingen musste erst einmal eine Zwangspause einlegt werden, weil Nick einen Platten hatte. „Was nun?“, war die große Frage, ohne Flickzeug zur Hand. Also wurde Nicks Fahrrad abgestellt und weiter ging es auf Papas Gepäckträger. Sehr bequem!


Fahrradfahren macht hungrig. Im Schützenhaus Hemmingen gab’s Schnitzel für alle. Vorbei an der Tonmühle, mit einem Abstecher im Laden, wo es leckeres Müsli gab. Bei Unterriexingen endet der Glems-Mühlen-Weg. Nicht jedoch die Tour: weil es grad so schön war, trat man kurzerhand weiter in die Pedale, die Enz entlang, wo es viele Badestellen gibt. Die Fischers hatten nämlich ihre Badesachen dabei.
Nach dem kühlen Nass eine letzte Herausforderung: Noch ein kleines Stück bergauf zum Bahnhof von Bietigheim-Bissingen. Kurz nach vier packten die Fischers ihre Fahrräder in die S-Bahn und machten sich auf den Heimweg: mit fünf Fahrrädern zwar etwas eng im Abteil, aber egal: Das Ganze hat sich schließlich mehr als gelohnt. Trotz Hitze war die schattige Radtour durch den Wald und an Glems und Enz entlang einfach nur toll.
Eine kurze Notiz zum Endspurt
Diese Woche noch - dann war die ganze Familie vier Wochen lang autofrei. Und bis jetzt lief alles wie am Schnürchen. Die größten Bedenken hatte Mama Fischer beim Großeinkauf. Aber jeder der fünf hat mit angepackt und so war auch das kein Problem.
Papa Jürgen hat für sich vorab schon mal einen Entschluss gefasst: Künftig wird er seltener ins Auto steigen und mehr mit Bus und Bahn unterwegs sein: privat und beruflich. Den Verbundpass für die Tarifzonen 10 und 20, in denen er hauptsächlich fährt, ist jedenfalls schon bestellt.
Letzter Testtag: das Fazit
Der Tachostand beweist es: Das Auto hat sich wirklich die letzten vier Wochen in der Garage komplett ausgeruht. Es geht ja auch ohne – und das zum Teil besser als gedacht. Der Rückblick und das Resümee Punkt für Punkt, Person für Person:
Einkaufen – ca. 20 Liter Saft und Milch benötigt man als fünfköpfige Familie locker in der Woche. Mit dem extra für die Umsteiger-Test angeschafften Einkaufstrolly lässt sich schon viel transportieren, aber natürlich ist es viel einfacher, mit dem Auto 1x in der Woche einen Einkauf zu starten.
Urlaub – der Kauf eines Neufahrzeug steht momentan nicht zur Debatte. Schon eher, sich über Car-Sharing genauer zu informieren und das einmal auszuprobieren. Für die Stadt und für Ausflüge bleiben Bahn oder Bus weiterhin eine super Option.
Unter der Woche – alle unseren tagtäglichen Aktivitäten waren bestens mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit Bus und Bahn zu erledigen.


Papa Jürgen – für ihn war das Leben als „Umsteiger“ die größte Herausforderung. Im Allgemeinen ist es gut gelaufen. Musste er Aufträge erledigen und Werkzeug transportieren, war es schon etwas schwieriger. Da müssen halt auch mal die Kollegen mit Auto das Werkzeug mitbringen. Ging aber auch problemlos.
Marvin fuhr manchmal mit einem Freund in der U5 nach Hause und vergaß sogar einmal das Aussteigen. So vertieft war er in ein Gespräch mit seinem Kumpel. Soziale Kontakte werden, wenn man mit den Öffentlichen fährt, also offenbar bestens gepflegt.
Lucas fährt ja schon seit 3 Jahren mit dem Bus zur Schule. In dieser Zeit ist er sehr selbstständig geworden und er fährt jetzt auch öfter mal mit einem Freund in die Stadt. Die Fahrzeiten ausfindig zu machen, ist für ihn kein Problem.
Nick fährt immer nur mit seinen Eltern am Wochenende, denn mit dem Bus in die Schule zu fahren macht ihm keinen Spaß, da seine Freunde auch immer laufen.
Mama Elke ist schon lange überzeugt von den öffentlichen Verkehrsmitteln und fährt regelmäßig ins Geschäft nach Möhringen.
Eines steht damit fest, der Test hat sich gelohnt: In Zukunft werden die Fischers viel mit Bus und Bahn unterwegs sein. Auf alle Fälle zumindest die Fahrten in und um Stuttgart. Die Kinder gefällt das gut, und auf den Orangen Seiten, dem Freizeitportal des VVS, gibt es schließlich genügend Ausflugsziele, die noch entdeckt werden wollen. Der Großeinkauf dagegen wird aber wieder mit dem Auto erledigt: ist einfach praktischer. Sollten die Benzinpreise allerdings weiter steigen, dann ist jedoch auch in diesem Fall der Umstieg mehr als eine Überlegung wert.
Und ganz zum Schluss: Liebe Grüße von den Fischers und Danke an alle, die das Leben der Umsteigerfamilie in den letzten Wochen verfolgt haben. Vielleicht sieht man sich ja mal in Bus oder Bahn ...










